Brygida OchaimTänzerin, Choreographin, Autorin |
Loïe Fuller - Irma Vep - Belphégor |
Angesiedelt zwischen Realität und virtueller Konstruktion, vergessen und doch noch präsent in den Nachwirkungen ihres einstigen Auftretens - so lassen sich die drei Figuren beschreiben, die Brygida Ochaim für ihre Tanztrilogie ausgewählt hat. Eigenwillige Choreographien, Kostüme, die Bewegung und Körperausdruck maßgeblich prägen, und der Einsatz multimedialer Technik hat sie dabei in Soloauftritten und Videofilmen zu einer vielschichtigen Inszenierung verbunden, durch die diesen Gestalten neue Präsenz und Aktualität verliehen wird. Die Tanz-Videos bilden in ihren Querbezügen eine Reihe, sind aber auch komplexe eigenständige Projekte. |
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Loïe Fuller, die Tänzerin aus den USA, begann ihre Karriere 1892 im Pariser Revuetheater "Folies Bergères", wo sie erstmals ihren legendären Serpentintanz mit einer spektakulären Szenografie aufführte: Die traditionelle Kulisse und das Rampenlicht wurden abgeschafft zugunsten einer Art Blackbox, in der Fuller sich im Kostüm aus wehenden Seidenstoffen präsentierte. Es erschien als Leinwand schillernder Lichtspiele und Projektionen, d.h. statt des Körpers inszenierte, bewegte, formte Loïe Fuller das künstliche Licht, erkundete seine Effekte und Möglichkeiten. Die revolutionäre Abkehr von der konventionellen Bühnendekoration und die Entmaterialisierung des Körperlichen mit den Mitteln modernster Technik machen Loïe Fuller zu einer der wichtigsten Wegbereiterinnen der aktuellen Performance- und Multimediakunst. Brygida Ochaim hat sich in Loïe Fuller - Danse des Couleurs der Aufführungs- und Tanztechnik von Loïe Fuller angenähert, um hinter der jugendstilhaften Ästhetik von fließenden Stoffen und irisierendem Licht die Aktualität der Inszenierung virtueller Gestalten und Räume sichtbar zu machen. |
Brygida Ochaim "Loïe Fuller - Danse des Couleurs" 1990
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Eine Generation nach Loïe Fuller gehörte Musidora zu den gefeierten Revuestars. Berühmt wurde sie durch die Rolle der Irma Vep in Louis Feuillades 10teiliger Serie "Les Vampires", die in der Zeit von August 1914 bis Sommer 1915 entstand. Es handelt sich dabei nicht um Vampir-, sondern um Kriminalgeschichten, in deren Mittelpunkt die rätselhafte Gestalt der Musidora seht. Feuillade konzipierte die Folge in Anknüpfung an seine populäre Verfilmung von "Fantômas". Ähnlich wie der männliche Held erscheint auch Irma Vep in wandelnder Gestalt. Zu ihrem Markenzeichen wurde ein schwarzes enganliegendes Seidentrikot, in dem sie gefährlich wie ein Raubkatze und unwirklich wie ein Schatten über Dächer und durch Korridore huschte. Zuerst nannte das Publikum sie 'La Vampire', woraus sich die Kurzform 'Vamp' ergab. In dieser Bezeichnung und dem damit verbundenen Image drückt sich eine Mischung aus traditioneller Femme Fatale und dem Typus der unabhängigen, selbstbewußten 'Neuen Frau' der damaligen Zeit aus. In Irma Vep - Schwarze Paroxysmen geht Brygida Ochaim der Faszination dieser Figur nach. Aggressives Kämpfen um Befreiung, Ausbrüche dunkler Gewalt wechseln mit Momenten der Besinnung. Die spannungsvolle Choreographie wurde zur Musik von Gavin Bryars entwickelt. Der Tanz wird durch Dia-Projektionen begleitet, die wie Assoziationen und Traumfragmente aufscheinen. Sie erinnern an damals aktuelle surrealistische Vorstellungen und - durch Fülle sowie Geschwindigkeit der vorgetragenen Bilder - gleichermaßen an die 'bits and pieces' einer zeitgenössischen Welterfahrung. |
Brygida Ochaim "Irma Vep - Schwarze Paroxysmen" 1993
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Belphégor, die dritte Gestalt in dieser Reihe unbekannter Berühmtheiten, erschien als Phantom in der französischen Kultfilmserie "Belphégor" von Claude Barma (1965). Juliette Greco, die Muse der Existentialisten, verkörperte diese Rolle der ägyptischen Mumie, die nachts im Musée du Louvre raubt und mordet. In ihrer Bearbeitung dieses Stoffes versetzt Brygida Ochaim die Figur aus dem Paris der 60er Jahre in die Gegenwart. Die dunkle archaische Erscheinung bewegt sich durch hightech Räume, automatisch funktionierende Türen, vorbei an Laufbändern und Druckmaschinen. Dem Betrachter eröffnet sich eine meist nächtliche Großstadtwelt aus Eisenbahnen, Aufzügen mit schimmernden Oberflächen oder rauschenden Verkehrsströmen. Sie funktionieren für Belphégor als ein System, durch das die Figur geradezu geisterhaft an verschiedenen Orten präsent sein kann. Das zugleich faszinierende und gefährliche dieser Gestalt liegt im Verweis auf eine sich verselbständigende Technik, auf eine ungreifbare 'Realität' aus glatten Oberflächen und widerstandslos ineinandergreifende Apparaturen. |
Brygida Ochaim "Belphégor" 1999
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